Die anderen sehen – ein Weg in die Freiheit

Newsletter Nummer 7, 15. Februar 2021

Heute möchte ich, Maja, ein paar ganz persönliche Gedanken mit euch teilen.

Seit ca. vier Jahren besitze ich ein Smartphone (ich war da ein bissl ein Spätzünder) – das habe ich mir damals selbst zum Geburtstag geschenkt. Wobei ich es natürlich nicht in Geschenkpapier verpackt, mit einer Schleife versehen und mir feierlich überreicht habe, sondern es eilig aus der Packung und sofort eifrig in Betrieb genommen habe. Also habe ich es mir in Wirklichkeit wohl nicht „geschenkt“, sondern vielmehr gegönnt oder einfach nur geleistet. Trotzdem habe ich mich beschenkt gefühlt mit den vielen neuen und spannenden Tools, die mir nun zur Verfügung standen. Ganz besonders mit der Möglichkeit, Fotos und kleine Videos an meine Familie und meine Freunde zu senden und auch von unterwegs auf verschiedenen Kanälen mit anderen in Verbindung sein zu können. Damit ist mein Smartphone auch zum Geschenk für andere geworden. Ein Mittel, mit dem ich anderen meine Zeit, meine Kreativität, mein An-sie-Denken schenken kann.

Wie ich jetzt auf mein Smartphone komme?

Gestern in meiner stillen Zeit ist mir diese Parallele zum „Stille schenken“ eingefallen.

Erst einmal gönne ich mir selbst diese zumindest 10 Minuten des Ausstiegs aus dem Alltagsbetrieb – ich komme ein Stück weit zur Ruhe, kann dankbar auf das schauen, womit ich beschenkt bin. Meine Arbeit, die Menschen an meiner Seite, meine warme Wohnung, das reichliche Essen, Freundschaft und Zuneigung, Begabungen und Beziehungen und …

Zum Geschenk wird meine stille Zeit dann,

wenn ich beginne, sie für andere herzugeben. Von mir selbst wegschaue, hin auf Menschen, die meine guten Wünsche oder mein Gebet brauchen können. Wenn ich einmal damit begonnen habe, fallen mir so viele ein, an die ich denken kann. Denen ich als selbst so reich Beschenkte meine Zeit weiterschenken kann – ohne Angst haben zu müssen, dass ich selbst zu kurz komme und mir die Zeit für mich selbst fehlt. Und in einem nächsten Moment fallen mir ganz konkrete Möglichkeiten ein, wie ich diesen Menschen auch sonst etwas Gutes tun kann. Wie ich aufmerksamer und kreativer etwas für sie tun kann. Meine 92jährige Nachbarin anrufen; die Freundin besuchen, der schon die Lockdown-Decke auf den Kopf fällt; mit der Schulkollegin lange ein Videotelefonat führen und so tun als würde man gemeinsam im Kaffeehaus sitzen; mich nach langer Zeit bei einem Bekannten wieder melden; meiner Mutter die Bügelwäsche abnehmen; Geld an eine Spendenorganisation für Obdachlose, Geflüchtete u. ä. überweisen; auf der Straße jemand Fremden anlächeln; den Kollegen mehr Lob und Dank aussprechen; ein Video für den kranken Freund ausdenken und schicken;…..

So merke ich, dass meine stille Zeit wirklich zu einem „Schenken“ wird. Bedeutet schenken doch immer, jemand anderem etwas von sich zu geben, so dass es ihm dann ganz gehört.

In diesem Sinn hat uns auch Konstantin Spiegelfeld von seinen Erfahrungen geschrieben:

„Stille schenke ich mir und anderen vor allem am Morgen eines Tages. Da kommen mir sehr oft konkrete Menschen in den Sinn, jüngere und ältere, Kinder, Jugendliche. Wie leben sie? Was ängstigt sie? Was ermutigt sie? Sind sie in Not? Was verbindet mich mit ihnen? Wer gibt ihnen innere Kraft?  – Gerade in dieser Zeit lerne ich, wie kostbar jede Begegnung von Mensch zu Mensch sein kann. So schaue ich täglich neu in mein Leben, in die Gegenwart, dann zurück und nach vorne.
‚Alles wirkliche Leben ist Begegnung.‘ (Martin Buber)“Ich wünsche euch in dieser Woche von Herzen, dass ihr euch in euren stillen 10 Minuten als wahrhaft Beschenkte erfahren dürft, und dass diese Zeit gleichzeitig zu einem aufmerksamen und kreativen Geschenk für andere wird.

Schreibt uns doch sehr gerne, welche Erfahrungen ihr damit macht! Welche konkreten Geschenke entstehen für die Menschen um euch herum aus eurer stillen Zeit?

Wir freuen uns über jede Nachricht!

Mit herzlichen Grüßen,

Maja Schanovsky und Team