Ein lieber Freund,

der muslimischer Theologe ist und auch bei unserer Initiative Stille schenken mitmacht, hat mir kürzlich eine Nachricht mit dem besonderen Wunsch für eine „gesegnete Osterzeit“ geschickt. Ich finde diese einfache Geste sehr aufmerksam, weil sie auf so achtsame Weise unsere Verbundenheit trotz unterschiedlicher Herkunft zeigt.

 

In diesen Tagen

feiert ja die weltweite Christenheit die Heiligen Tage von Tod und Auferstehung des Sohnes Gottes. Und dabei denke ich in diesem Jahr unweigerlich an einen historischen Moment einer weltweiten Verbundenheit inmitten der allgegenwärtigen Pandemie: nämlich genau vor einem Jahr am Karfreitag hat in einer unvergesslichen besonderen Stille am Petersplatz Papst Franziskus für die ganze Welt all die Ängste und Nöte der Pandemie gleichsam miteinander verbunden.

Sogar von einem „Echo der Stille“ schrieb damals der Philosoph Johannes Hoff in der Wochenzeitung DIE ZEIT:

„Im Regen von Rom verlieren sich einzelne Figuren im Schatten des Doms, der Papst spricht in einem menschenleeren Raum. Die ganze Einsamkeit dieses Moments kann nur empfinden, wer von diesem Punkt aus sonst zu Zehntausenden Menschen spricht. Das Echo der Stille nimmt aber auch jeden in Haft, der aus seiner privaten Quarantäne die Welt wahrnimmt und nur noch auf Distanz am Leben teilnimmt.“ 

Die Aura eines erhofften wundersamen Segens wirkte „nicht als magischer Eingriff. Er aktiviert stattdessen die Kraft eines Glaubens, der sich in Achtsamkeit und Respekt, in der Zuwendung zu jedem einzelnen Menschen zeigt. ‚Leben aus dem Heiligen Geist‘ nennt Franziskus das, und Jesus vermittelt es.“, so der Autor und verweist letztlich darauf, dass (nicht nur) Christen am stillsten Tag des Jahres an diese innere Kraft des stillen Gebets glauben, die Wunder wirken kann.

 

Nach einem guten Jahr

haben wir uns an das eine Wunder einer ungewöhnlich schnellen rettenden Impfung gewöhnt; wir sind eher ermüdet und verärgert, dass es nicht flotter geht. Bei all der berechtigen Sorge um die vielfachen Nöte dürfen wir jetzt wohl dankbar sein, dass sich – gerade auch in unserer Initiative – so viele nicht nur an solch historischen Momenten in einer stillen Gegenwart miteinander verbunden wissen. So viele tragen einander auf sehr eindrucksvolle Weise; nicht zuletzt indem wir in all der Unterschiedlichkeit unserer Überzeugungen auch auf den guten, ja heiligen Geist vertrauen und ihn einander zutrauen.

 

Und warum es für die Christinnen und Christen jedes Jahr

in der Karwoche besonders still werden muss,

sei kurz erinnert: Wir denken an eine übernatürliche Verbundenheit, die selbst alles natürliche Leben verwandelt. Es geht um eine Liebe Gottes, die keine Grenzen kennt. Sie erweist sich darin, dass sie selbst bis in den Tod hinein reicht, ja in den Tod selbst hineingeht. Wir glauben, dass sich der Sohn Gottes mit allem, was menschlich ist, eins gemacht hat. Vor dieser nicht zu ermessenden Größe Gottes kann man eigentlich nur schweigen: einer, der sich ganz in die Hände der Menschen gibt und nichts zurückhält, nichts für sich behält, sondern alles gibt, selbst sein Leben.

 

Schweigen, still werden und im Herzen Danke sagen.

Aus dieser Stille heraus, aus diesem Sterben heraus, wird dann letztlich die erlösende österliche Freude geschenkt. Gott sei Dank ist sie nicht exklusiv, sondern gilt jedem Menschen.

So danken wir von ganzem Herzen für alle Verbundenheit, für alles Mittragen und Mitsorgen in diesen Tagen – vor allem aber auch für alle Mit-Freude!

Frohe Ostern für alle, die sich mit uns auf so vielfältige Weise verbunden wissen,
Otto Neubauer und Maja Schanovsky mit dem Team von Stille schenken